Den hat er doch selber geschrieben, oder? Bei diesem Welt-Artikel fehlt die Autorenangabe in der Kopfzeile, aber eigentlich geht es, wenn auch in dritter Person, die ganze Zeit nur um ihn selbst: Gerhard Amendt, seines Zeichens Soziologieprof in Bremen und beliebter Autorenheld der deutsch-deutschen Männerrechtsbewegung sowie auch junger Fundi-Christen in ihrem Bestreben, nicht-heterosexuelle Beziehungen aller Art zu diskreditieren. Schließlich hat er ja viel gelesen, der Gerhard, und hat stets objektivitätsverbürgende „internationale Studien“ zur Hand, die seine Thesen irgendwie belegen. Wie schön. Heisst aber nicht, dass er deswegen Recht hat. Nur, dass er ein Rechter ist, vielleicht. Aber Halt, bevor mir an dieser Stelle gleich wieder feministisch-gewalttätige Unsachlichkeit vorgeworfen werden kann, eine kurze Synopsis des Artikels (in etwa): „Frauenhäuser sind total passé weil sie keine Familientherapieeinrichtungen sind, weil sie nur Frauen Unterstützung anbieten und diese damit in einer Opferrolle drücken, weil sie Hass auf Männer schüren, weil Frauen genauso gewalttätig sind wie Männer (und eigentlich noch viel schlimmer), weil sie durch unprofessionelle und narzisstische Personen mit kollektiv-illegitimen Ansichten geleitet werden“. So ungefähr.
Ayi, da schlackern Ms. Yeahpope die Ohren, vor allem wenn Amendt schreibt, wie das Bremer Frauenhaus seine Existenz im Endeffekt allein ihm zu verdanken hat. Nicht, dass es da schon über Jahre Lobbying feministischer Gruppen gegeben hätte, nein, nein. Er war es, der die Stadt vom Sinn der „Laienselbsthilfe“ überzeugt hat. Danke Gerhard. Was wäre die Welt ohne dich. Doch jetzt ist sie so undankbar geworden, und dominiert von ganz fiesen Radikalfeministimmen. Da muss der Papi die Kleinen jetzt aber mal so richtig zur Ordnung rufen!
Dabei schreibt doch die Welt vor zwei Monaten noch in ganz andere Tönen. Doch Amendt behauptet anhand seiner dubiosen „internationalen Studien“, dass Frauen genauso gewalttätig sind wie Männer und deswegen alle gesellschaftlichen Analysen, die Frauen als primäre Opfer männlicher Gewalt sehen, verkürzt sind. Weil eben auch Männer von Frauen Gewalt erfahren. Ergo sind alle Strukturen, die Frauen Unterstützung anbieten illegitim, old school sozusagen. Keine Frage, Gewalt ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, es gibt nicht nur Frauen misshandelnde Männer, sondern allerlei andere Situationen, in denen sich alle möglichen Leute die Köppe einschlagen. Aber komisch, trotzdem sind es immer noch verdammt viele Frauen, die mit Veilchen und blauen Flecken am Körper rumlaufen und, darauf angesprochen, genau in den im zweiten Welt-Artikel genannten Ausweichstrategien antworten. Und hey, wie war das nochmal mit Vergewaltigungen und anderen Grenzüberschreitungen? Gibt es da etwa auch internationale Studien, dass auf einmal genauso viele Frauen Männer vergewaltigen wie vice versa? Hm?
Frauenhäuser unterstützen Frauen, die Gewalt erfahren haben und bieten ihnen einen sicheren Ort, um einen guten Umgang mit der Situation zu finden. Wenn es nötig ist, Frauen in rechtlichen Angelegenheiten zu unterstützen, dann wird das dort auch geschehen. Aber ein gerichtliches Verfahren gegen eine Ex-Beziehung unterstützen, einer Frau helfen, aus einer verquasten familiären Situation rauszukommen, das ist doch kein „Hass schüren“. Und es ist doch auch jenes gerade nicht, wenn darauf hingewiesen wird, dass es in dieser Gesellschaft sehr oft Frauen sind, die Opfer „häuslicher Gewalt“ werden. Wer daraus den Schluss zieht, allen Männern werde per se Gewalttätigkeit vorgeworfen, der hat nicht verstanden, dass es wenn, dann um Männlichkeitskonzepte, nicht um Männer an sich geht. Und ehrlich, ich weiss ja nicht, wie Amendt zu der Behauptung kommt, dass in Frauenhäusern nur unprofessionelle Leute arbeiten, „Laien“, wie er sagt. Sozialarbeiter_innen haben eine Ausbildung hinter sich, womöglich an der Bremer Uni, an der er selber arbeitet. Und dass es nicht immer höchstes Ziel sein kann, die Familie wieder zum „miteinander Reden“ zu bringen, wie es sich Amendt wünscht, sondern auch bei individuellen Neustarts zu helfen, das sollte heute doch auch ein bisschen selbstverständlich sein. Familie um jeden Preis, das ist echt old school.
3 Antworten auf “First Amendtment”